Um das Sommertheater zustande zu bringen, muss mit der Arbeit bereits im Winter begonnen werden. Alljährlich im Oktober trifft sich Artanos, um das Stück der kommenden Saison auszuwählen. Eine Entscheidung nicht ohne Probleme, denn es gilt, vieles zu bedenken: Es darf nicht zu wenige Rollen geben und nicht zu viele, vor allem nicht zu viele Männerrollen – denn meist sind die weiblichen Mimen in der Überzahl. Dann soll der Charakter der Rolle und die Person des Darstellers möglichst gut zusammenstimmen, denn nicht anders als bei Profibühnen lebt die Qualität der Inszenierung von der möglichst optimalen Besetzung der Figuren. Das Stück darf nicht zu lang sein, aber auch nicht zu kurz und es muss sich für eine Aufführung im Freien eignen – und vor allem muss es zu Artanos passen. So bestimmen nicht die grossen Tragödien der Weltliteratur den Spielplan der Truppe, sondern die (nicht weniger berühmten) Komödien. Und im Laufe der Jahre hat sich auch eine Vorliebe für die barocke Charakterkomödie herauskristallisiert, für die die Namen Molière, Beaumarchais und Goldoni stehen. Aber auch moderne Autoren zählen zum Repertoire von Artanos, wie in den letzten Jahren bewiesen werden konnte.

Diese Mischung aus Wandel und Stabilität begleitet die Arbeit der Gruppe seit Jahren: um den festen Kern von etwas zehn bis fünfzehn “Unermüdlichen”, die teilweise schon seit der ersten Probe 1995 dabei sind, gruppiert sich ein eher loser Zusammenschluss von Artanos-Anhängern, die nicht in jedem Jahr mitarbeiten können oder wollen. So sieht man bei jeder Produktion neben den altbekannten auch neue Gesichter auf der Bühne und im Programmheft.

Flexibilität und Vielseitigkeit bei der Übernahme von Aufgaben ist überhaupt immer gefragt bei der Theaterarbeit. Denn, wie ein kleiner Ausflug hinter die Kulissen zeigt, spielt sich nur ein Bruchteil der Arbeit auf der Bühne ab. Die Organisation im Hintergrund ist das A und O, angefangen bei der Wahl des Stücks, der Konzeption von Kostümen und Maske, der Herstellung von Bühne und Kulissen, Ausleihen und Einrichten der Bühnentechnik bis hin zum Sprechtraining, der Musik, Pflege der Homepage, Plakat- und Programmheftgestaltung, Werbung, Programmverkauf und Catering bei den Aufführungen. Hier muss an tausend Kleinigkeiten gedacht, müssen viele Arbeitsstunden investiert werden. Und so arbeiten die wenigsten über die Jahre hinweg “nur” als Schauspieler mit, und mancher hatte schon mehr als eine Doppelrolle: Schauspieler können auch Requisiteure sein, Souffleusen Kostümschneiderinnen, als Statisten finden sich gelegentlich Regisseure und Plakatdesigner auf der Bühne, Techniker springen als Probenpartner ein.
Von diesem Geist lebt Artanos – und schafft es zum Glück jedes Mal, entgegen mancher Widrigkeit, sein Spiel auf die Bühne zu bringen.

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